Distelöl
Distelöl zählt zu den spannendsten Pflanzenölen überhaupt: reich an Linolsäure, fein im Aroma und vielseitig in der kalten Küche einsetzbar. Erfahre im CulinaryMedicine Ölporträt warum die Färberdistel schon seit Jahrhunderten geschätzt wird, welche Rolle das Fettsäureverhältnis spielt und weshalb Distelöl heute ernährungsphysiologisch wie kulinarisch Aufmerksamkeit bekommt.
Die Färberdistel – Ursprung eines besonderen Öls
Der Ursprung des Distelöls liegt im Samen der sogenannten Färberdistel (Carthamus tinctorius). Ihre leuchtend gelb-roten Blütenköpfe nutzten bereits die alten Ägypter zur Gewinnung des natürlichen Farbstoffs Saflorgelb. Die Verwendung der getrockneten Blüten als günstiger Ersatz für Safran verlieh der Pflanze den Beinamen „falscher Safran“. Heute ist die Färberdistel als Ölpflanze weltweit verbreitet. Charakteristisch sind ihre tiefreichenden Pfahlwurzeln, die es den Pflanzen ermöglichen, Trockenperioden gut zu überstehen.
Linolsäure im Fokus
Das aus Saflor gewonnene Öl hat einen besonders hohen Anteil an Linolsäure, einer Omega-6-Fettsäure. Als essenzielle Fettsäure muss diese über die Nahrung aufgenommen werden und spielt u. a. eine Rolle bei der Aufrechterhaltung einer funktionierenden Hautbarriere.
Aber nicht nur für uns Menschen, sondern auch in einer ausgewogenen Ernährung von Haustieren kann dieser Fakt eine interessante Rolle spielen. Bei Tieren kann ein Linolsäuremangel zu Schuppen, glanzlosem Fell und trockener Haut führen. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann in unserem CulinaryMedicine Interview mit Dr. Stefanie Handl, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik, nachlesen.
Ein Zuviel an Linolsäure ist dagegen ungünstig, da ein übermäßiger Konsum von Omega-6-Fettsäuren Entzündungsprozesse begünstigen kann. Omega-3-Fettsäuren können hier ausgleichend wirken. Entscheidend ist das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren, das idealerweise bei etwa 3:1 bis 5:1 liegen sollte. In Kombination mit Lein- oder Chiasamen lässt sich das Fettsäureprofil sinnvoll ergänzen.
Wissenschaftlich betrachtet
Distelöl überzeugt nicht nur kulinarisch. Es steht auch immer wieder im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. Neben Vitamin E enthält es Provitamin A sowie Vitamin K. Eine Studie aus dem Jahr 2011 untersuchte den Einfluss von Distelöl bei postmenopausalen Frauen mit Typ-2-Diabetes. Dabei zeigten sich unter anderem Verbesserungen bestimmter Entzündungsmarker, des HDL-Cholesterins und der Blutzuckerwerte.
Kulinarische Vielseitigkeit
Geschmacklich zeichnet sich Distelöl durch ein fein ausgewogenes Aroma aus, das leicht an frisch gepopptes Popcorn erinnert. Besonders gut passt es zu Wurzelgemüse wie gelber Rübe, roter Rübe oder Sellerie, harmoniert aber ebenso mit Radieschen, Zucchini, Kohlrabi und kräftigen Blattsalaten. Auch Getreidesalate, Cremesuppen oder selbstgemachte Mayonnaise profitieren von seiner feinen Art.
Da kaltgepresstes Distelöl empfindlich auf Hitze reagiert, sollte es nicht stark erhitzt werden. Ideal ist es als Finishing-Öl zum Verfeinern bereits gegarter Speisen oder für Dressings und cremige Aufstriche.
Rundumblick
Geschmack: mild, fein und leicht nussig mit dezenter, frischer Note
Pflanze: Färberdistel, auch Saflor genannt ist eine einjährige Pflanze mit gelb-roten Blütenköpfen, die sehr trockenheitsresistent ist und heute weltweit angebaut wird.
Gepresst wird: der Samen der Färberdistel
Lagerung: Vor Wärme geschützt, luftdicht und dunkel lagern; Distelöl ist licht- und wärmeempfindlich.
Haltbarkeit: nach dem Öffnen und bei richtiger Lagerung mehrere Monate
Verwendung: Nicht erwärmen, dabei gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren; Ideal für kalte Speisen, Dressings und zum Verfeinern bereits gegarter Gerichte.
Tipps
In der Küche: Ein paar Tropfen über ofengeröstetem Wurzelgemüse gibt diesem Gericht eine wunderbare Note. Auch als Basis einer hausgemachten Burger-Mayonnaise kann Distelöl sein einzigartiges Aroma und seine außergewöhnlichen Inhaltsstoffe voll zur Geltung bringen.

