Essentielle Fettsäuren für fellnasige Lebensbegleiter
Pflanzliche Öle liefern nicht nur uns Menschen wertvolle essentielle Fettsäuren - mit bewusster Ernährung können auch Hunde, Katzen und andere Kleintiere davon profitieren . Im Gespräch mit CulinaryMedicine erklärt Dr. Stefanie Handl, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik und EBVS® European Specialist in Veterinary and Comparative Nutrition, welche Öle sich besonders eignen und welche Mythen wissenschaftlich nicht haltbar sind. Außerdem geht es um spannende Forschungsergebnisse: So zeigen Studien zum Beispiel, dass bestimmte ungesättigte Fettsäuren sogar den Geruchssinn von Hunden beeinflussen können.
Frau Dr. Handl, Sie sind Expertin zum Thema Tierernährung, in Ihrer Wiener Praxis Futterambulanz liegt der Fokus auf einer individuellen Ernährungsberatung. Welchen Beitrag können pflanzliche Öle in der Tierernährung spielen?
Wie wir Menschen benötigen auch unsere Haustiere essentielle Fettsäuren. Sie sind nötig für die Gesundheit der Haut, sind aber auch Bausteine für Hormone und Zellmembranen.
Gibt es Öle, die Sie für Kleintiere – insbesondere Hunde und Katzen – besonders empfehlen können und wenn ja, warum?
Sonnenblumen-, Distel- und Kürbiskernöl sind reich an der essentiellen Linolsäure und werden lokal produziert. Sie können eine sinnvolle Nahrungsergänzung darstellen. Öle, deren Ursprungspflanzen von weit herkommen, wie zum Beispiel Arganöl, haben keinen Vorteil gegenüber heimischen Ölpflanzen.
Stichwort Linolsäure - Warum ist diese für unsere vierbeinigen Lieblinge so wichtig?
Ein Mangel Linolsäure äußert sich in trockener Haut, Schuppen und stumpfem Fell. Er kann bei sehr fettarmer oder einseitiger Fütterung (zum Beispiel mit ausschließlich tierischen Fetten) entstehen. Eine Ergänzung von Distelöl oder Nachtkerzenöl kann helfen.
Welchen Mythos bzgl. pflanzliche Öle und Tiernahrung möchten Sie entkräften?
Kokosöl ist derzeit sehr modern, liefert aber keine essentiellen Fettsäuren und hat auch sonst keinen positiven Effekt auf die Gesundheit. Und es wirkt auch nicht gegen Parasiten.
Gibt es Tipps für einen einfachen Umgang mit pflanzlichen Ölen für Besitzer und Besitzerinnen von Kleintieren?
Ungesättigte Fettsäuren, wie Linol- und Linolensäure, sind hitzeempfindlich und sollten keinen hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Öle sollten immer kühl und dunkel aufbewahrt werden. Haben sie einen unangenehmen Geruch sind sie ranzig und sollten bitte nicht mehr verwendet werden.
Gibt es auch für Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster Ernährungsvorteile, die sie aus pflanzlichen Ölen ziehen können?
Nagetiere und Kaninchen fressen von Natur aus gern ölhaltige Samen, wie Sonnenblumen- oder Hanfkerne, und versorgen sich so mit essentiellen Fettsäuren. Dabei muss man allerdings achtgeben, dass sie nicht zu viel bekommen, sonst können sie Übergewicht entwickeln.
Können pflanzliche Öle in der Tiernahrung die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen verbessern? Ist das sinnvoll?
Fettlösliche Vitamine (A, D, E) können nur zusammen mit Fetten aufgenommen und im Körper gespeichert werden. Dabei ist egal, ob es sich um pflanzliche oder tierische Fette handelt, aber eine Ergänzung von Pflanzenölen liefert außerdem auch gleich die essentiellen Fettsäuren.
Können auch pflanzliche Proteine, wie sie etwa im Presskuchen von Kürbiskernmehl vorkommen, für die Ernährung von Kleintieren eine sinnvolle Rolle spielen?
Für Hunde können pflanzliche Proteine aus Presskuchen sehr gut in Kombination mit Zutaten tierischen Ursprungs eingesetzt werden, um alle essentiellen Aminosäuren zu liefern. Die Verwendung von Nebenprodukten aus der Nahrungsmittelproduktion für unsere Haustiere ist ökologisch sinnvoll und nachhaltig.
Welchen Zusammenhang zwischen pflanzlichen Ölen und der Ernährung von Tieren finden Sie besonders spannend?
Studien konnten zeigen, dass ungesättigte Fettsäuren der Nahrung den Geruchssinn von Hunden verbessern.
Sidefact: Dass Hunde hervorragend riechen können, ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch die Ernährung Einfluss auf ihre olfaktorischen Fähigkeiten haben könnte. Zwei wissenschaftliche Studien aus den USA liefern spannende Hinweise darauf, dass nicht nur Training, sondern auch bestimmte Fettsäuren – insbesondere mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Linolsäure – die Geruchsleistung von Hunden positiv beeinflussen können.
In den folgenden Untersuchungen wurde analysiert, wie unterschiedliche Fettquellen in der Ernährung die Fähigkeit von Hunden beeinflussen, Gerüche wahrzunehmen und Zielgerüche zu identifizieren:
Effect of dietary fat source and exercise on odorant-detecting ability of canine athletes
Author: Eric K. Altom, Gary M. Davenport, Lawrence J. Myers, Keith A. Cummins, Publication: Research in Veterinary Science, Publisher: Elsevier, Date: October 2003
The effects of exercise and diet on olfactory capability in detection dogs
Author: Craig T. Angle, Joseph J. Wakshlag, Robert L. Gillette, Todd Steury, Pamela Haney, Jay Barrett and Terrence Fisher, Publication: Journal of Nutritional Science, Publisher: Cambridge Core, Date: October 2014
Die Ergebnisse zeigen, dass Hunde, die körperlich trainiert wurden, ihre Geruchsleistung auch nach Belastung besser aufrechterhalten konnten. Besonders interessant ist der Einfluss der Fettzusammensetzung: Nicht trainierte Hunde mit kokosölreicher Ernährung verloren im Verlauf der Studie deutlich an Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen. Hunde, die Futter mit einem höheren Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren erhielten, schnitten bei Geruchstests tendenziell besser ab als Hunde mit einer Ernährung, die vorwiegend gesättigte Fette enthielt.
Kurzbiografie
Dr. Stefanie Handl ist Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik. In der von ihr 2013 gegründeten Praxis Futterambulanz in Wien bietet sie individuelle Ernährungsberatung für gesunde sowie kranke Tiere und erstellt Rationsberechnungen für Welpen. Sie arbeitete zwischen 2002 und 2012 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierernährung der Veterinärmedizinischen Universität Wien und war bis 2018 Chefredakteurin der Wiener Tierärztlichen Monatsschrift – Veterinary Medicine Austria.

